MEINE GESCHICHTE – RÜCKBLICK AUF FAST 15 JAHRE SELBSTSTÄNDIGKEIT UND ÜBER 20 JAHRE GEBÄRDENSPRACHUNTERRICHT

Heute möchte ich auf meinen Weg zurückblicken und erzählen, wie sich mein Gebärdensprachunterricht im Laufe der Jahre entwickelt hat und warum ich begonnen habe, eigene Kursbücher zu erstellen.

Als ich 2003 mit dem Unterrichten begann, arbeitete ich zunächst mit Gebärdenschrift. Schnell stellte ich fest, dass dies für viele Lernende nicht die optimale Unterstützung war. Anschließend nutzte ich Materialien aus „Fliegende Hände“. Damals gehörten Overheadprojektoren und Folien mit Vokabeln noch zum Unterrichtsalltag. Doch auch damit war ich nicht zufrieden. Ich hatte das Gefühl, dass meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr brauchten, um die Deutsche Gebärdensprache erfolgreich zu lernen.

Deshalb entschloss ich mich, von 2007 bis 2010 die Ausbildung zur staatlich anerkannten Gebärdensprachdozentin zu absolvieren. Dort lernte ich die Unterschiede zwischen deutscher Lautsprache und Deutscher Gebärdensprache kennen und beschäftigte mich intensiv mit Didaktik, Methodik und dem Aufbau eines Unterrichts mit einem klaren roten Faden.

Auf dieser Grundlage entstand mein erstes eigenes Kursbuch. Es war der Beginn einer Entwicklung, die bis heute andauert.

Am 01.01.2011 machte ich mich mit meiner Gebärdensprachschule selbstständig. Dieser Schritt erforderte viel Mut. Der Weg war nicht immer einfach. Es gab Herausforderungen, Unsicherheiten und auch Zeiten, in denen ich mich fragte, wie es weitergehen würde. Oft musste ich meinen eigenen Weg gehen und an meine Ideen glauben.

Heute bin ich froh, dass ich durchgehalten und mich durchgesetzt habe. Rückblickend war jede Erfahrung wichtig und hat mich weitergebracht.

2017 begann mein Mann Kuno die Ausbildung zum Gebärdensprachdozenten an der Universität zu Köln. Gemeinsam entwickelten wir unsere Unterrichtskonzepte weiter. Auf Grundlage des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) entstand die zweite Version unseres Kursbuchs DGS A1. Inzwischen arbeiten wir bereits an der nächsten Version. Unsere Bücher enthalten heute weit über 1.000 Fotos, Dialogübungen, Grammatik, Wortschatz und viele praxisnahe Lerninhalte.

Was vor vielen Jahren undenkbar gewesen wäre, ist heute Realität: Online-Unterricht, digitale Materialien, Videolernen und interaktive Übungen. Unser nächstes Ziel ist die Entwicklung einer E-Learning-Plattform mit Gebärdensprachvideos, damit Lernende selbstständig üben und ihren Lernstand überprüfen können.

Ich wünsche mir außerdem, dass künftig mehr Lehrwerke und Lernmaterialien für die Deutsche Gebärdensprache entstehen. Für Lautsprachen gibt es eine große Auswahl an Büchern und Materialien. Für die DGS besteht hier noch viel Potenzial.

Besonders wichtig ist mir, dass die Deutsche Gebärdensprache als eigenständige Sprache wahrgenommen wird und klar von unterstützenden Kommunikationsformen wie LBG, LUG oder LUK unterschieden wird. Menschen mit Hörbehinderung oder Cochlea-Implantat sollten immer die Möglichkeit haben, zusätzlich Gebärdensprache zu lernen. Sprache bedeutet Teilhabe, Selbstbestimmung und Sicherheit.

Zum Schluss möchte ich mich von Herzen bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bedanken. Viele von euch haben mich über Jahre begleitet, manche sogar über mehrere Kursstufen hinweg. Ohne euer Vertrauen, eure Begeisterung und eure Unterstützung wäre dieser Weg nicht möglich gewesen.

Nach fast 15 Jahren Selbstständigkeit erfüllt es mich mit Dankbarkeit und Freude, zurückzublicken. Ich freue mich auf alles, was noch vor uns liegt.

❤️ Vielen Dank an alle, die mich auf diesem Weg begleitet haben.

Herzliche Grüße

Helga Hopfenzitz
Staatlich anerkannte Gebärdensprachlehrerin
GEPETE – Gebärdensprachschule